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Freitag, 6. April 2018

Über den Müßiggang 2

Morning Sheets by Chelsea Bentley James,
http://chelseabjames.blogspot.de/2007/09/some-new-work.html


Da mir das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) und die Frage nach gesellschaftlichem Wandel gerade sehr am Herzen liegen, handelt auch dieser Beitrag wieder von diesem Thema. 

Über den Weg gelaufen und in den Schoß gefallen – wie reife Äpfel vom BGE-Baum sozusagen – sind mir die untenstehenden Inspirationsquellen zum Thema Faulheit und Müßiggang. Sie sprechen mir aus dem Leben und aus dem Herzen, und ich lege sie jedem, der mag, an seins – auch und gerade im Zusammenhang mit all den persönlichen, gesellschaftlichen und globalen Fragen, die sich rund ums BGE, rund um die Zukunft dieser Gesellschaft und der menschlichen Spezies stellen: Was bedeutet Menschsein für mich? Welche Werte will ich hier eigentlich schöpfen, mit meinem Tun und Sein? Was sind meine Bedürfnisse, und was für ein Leben finde ich lebenswert? Wie wollen wir zusammenleben? Welche Art von Wachstum wollen und können (!?) wir uns hier künftig erlauben, persönlich, sozial, wirtschaftlich und ökologisch? Und so sind „Muße“ und „Faulheit“ auch längst keine Exklusivthemen für Philosophen, Künstler, Aussteiger oder moderne Dandys mehr, sondern treffen ziemlich genau den Zeitgeist. Denke, hoffe, träume ich jedenfalls.



Freitag, 30. März 2018

Sonntag, 18. März 2018

Wenn ich ein Gesetz erlassen könnte ...

Neulich las ich im Jenaer Stadtmagazin die Seite mit Statements von Leuten, die auf der Straße zu einem bestimmten Thema befragt werden, à la Was würdest Du tun .... Diesmal war die Frage, was der jeweilige Mensch machen würde, wenn er ein beliebiges Gesetz erlassen könnte.

Ein oder zwei Antworten fand ich ziemlich gruselig, andere nicht relevant (für mich) und wieder andere sehr sympathisch: Zum Beispiel verkaufsoffene Sonntage zu verbieten oder alle Gesetze abzuschaffen, damit Menschen nicht unnötig eingeschränkt werden (Gewalttaten begingen sie ja auch so). Das sagte jemand, der daran glaubt, dass Freiheit besser ist als Zwang und das Gute im Menschen größer als das Schlechte. An dieser Stelle liebe Grüße an Vasco, 28, Beruf heute hier, morgen dort.

Also, wenn ich ein Gesetz erlassen könnte, wenn ich für einen Tag Diktatorin dieses Landes wäre, dann würde ich alle Menschen zwingen, das Buch 1000 Euro für jeden. Freiheit, Gleichheit, Grundeinkommen. von Götz Werner und Adrienne Goehler zu lesen. Das Volk müsste allen Druck und alle Hetze hinter sich lassen und sich voller Muße und Leselust aufs Sofa oder in die Hängematte legen (jaja, die vielbeschworene Hängematte, denn mit einem BGE würde ja niemand mehr arbeiten, schlimm). Vorher könnten sich die Leute einen Tee machen, ein Bier holen oder was auch immer der Steigerung ihrer Arbeitsmoral dienlich wäre. Sie könnten sich auch in ein Café oder raus in die Sonne (naja, in den Schnee) setzen und auf Staatskosten einen Milchkaffee und ein Stück Kuchen bestellen. Nun wären alle angehalten, mit einem frischen Geist und offenen Herzen tätig zu werden, fleißig ans Werk zu gehen, wertschöpfend zu sein, der Volkswirtschaft zu dienen. Das heißt, zu lesen, innezuhalten, nachzudenken und in sich hineinzuhorchen. Das Buch müsste von allen durchgelesen werden, zwingend von vorn bis hinten, in schweren Fällen mehrmals hintereinander. Dazu hätte jede*r mehrere Tage oder von mir aus ein paar Wochen Zeit, da wäre ich gnädig. Alle übrige Arbeit müsste in dieser Zeit ruhen, mit den wirklich wichtigen Dingen wie etwa Brotbacken, Gemüseernten, Saubermachen oder der Versorgung von Babys und Kranken müssten sich alle abwechseln. Und die Kuchen und Kaffees in den Cafés müsste natürlich jemand machen, ebenso müssten Tee, Bier, Wein & Co. an der Hängematte nachgereicht werden. Musiker dürften zur Untermalung der kollektiven Be-Geisterung aufspielen, Poeten Gedichte schreiben, und noch ein paar andere Dinge mehr wären erwünscht, das müsste ich mir noch genauer überlegen. Ach ja, Kinder und Tiere dürften natürlich die ganze Zeit über machen, was sie wollten. Ja, so wäre das, und wenn dann alle fertig wären mit der Lektüre, könnten wir am darauffolgenden Tag das Bedingungslose Grundeinkommen einführen, weil alle Menschen das Thema endlich richtig kennengelernt und verstanden hätten. Weil sie eingesehen hätten, dass es menschenfreundlich, schön, rational und dringend notwendig ist. Weil nämlich jeder auch nur halbwegs intelligente, intuitive und initiative Mensch das BGE einfach verstehen und begrüßen muss, und mein Volk bestünde natürlich nur aus solchen Menschen, deswegen hätten sie ja auch mich als Herrscherin auserkoren.

Ja, wenn ... Wenn ich doch bloß das Sagen hätte ... ;)

So bleibt mir nur zu hoffen ... Und mich dafür einzusetzen und gespannt zu sein, ob/dass das BGE früher oder später kommen und die Last der Arbeitsfron von den Schultern dieser Gesellschaft nehmen wird – weil die Dreifaltigkeit aus (Erwerbs-)Arbeit, Geld und Konsum in Zeiten materiellen Überflusses und zunehmender Virtualisierung von Gütern nämlich längst nicht mehr wie ein Damoklesschwert über dem Volk schweben muss. Ahhh ... Auf dass ein Ruck* und ein Seufzen durch Deutschland gehe, ein frischer Wind die Köpfe streife, ein bunter Wirbel wehe, aus Muße, Sinn und neuer Leistungslust, aus Freundlichkeit und Fairness, Offenheit und Augenhöhe, Mitgefühl und Vertrauen. Auf dass das Edle im Menschen die historisch einmalige Chance bekomme, einmal etwas stärker hervorgelockt zu werden. Vasco würde sich bestimmt auch freuen. Denn nach dem Fressen kommt doch eigentlich die Moral, zumindest wenn Brecht recht hatte?

*Nicht mit allem aus Roman Herzogs berühmter Rede aus 1997 stimme ich überein, z. B. erscheinen mir unbedingtes Leistungsdenken, Arbeitsplatzschaffung und Wirtschaftswachstum fragwürdig. Auch fehlt die ökologische Frage in der Rede völlig. Aber der Appell, aus Überholtem aus- und in eine „frischere“ Gesellschaft aufzubrechen, den finde ich gut – und nach 20 (!) Jahren, in denen sich vieles zum Schlechteren verändert hat, aktueller und brisanter denn je. Let’s go?

Übrigens: Ich verlose hiermit fünf Exemplare des oben genannten Buchs. Wenn Du eins davon haben möchtest, schreib mir bitte in einer E-Mail (Adresse siehe unter Kontakt) Deine Anschrift, was Du vom BGE hältst und wie es Dein Leben vielleicht verändern würde. Und natürlich verpflichtest Du Dich, das Buch auch zu lesen, unter den oben beschriebenen Bedingungen ;).

Freitag, 9. März 2018

Naiv?

Naivität:

1.a.  von kindlich unbefangener, direkter und unkritischer Gemüts-, Denkart [zeugend]; treuherzige Arglosigkeit beweisend

   b.  (oft abwertend) wenig Erfahrung, Sachkenntnis oder Urteilsvermögen erkennen lassend und entsprechend einfältig, töricht [wirkend]

2.  (Literaturwissenschaft) in vollem Einklang mit Natur und Wirklichkeit stehend

(duden.de)


Wie naiv bist Du?
Schließen sich Unbefangenheit und kritisches Denken aus?
Warum heißt es so oft Kopf oder Herz/Bauch?
Freiheit oder Sicherheit?
Ich oder Du?

Ja. Nein. Jein.
Oft geht eben beides.
Sowohl-als-auch statt Entweder-oder!
 
Träum weiter.
Ja, genau!

Bedingungsloses Grundeinkommen:
Die Zeit ist reif :).



Und noch ein Link zum Thema:
Im PDF Mut zur Transformation diskutieren verschiedene Leute die Idee, den Hintergrund und die Umstände des BGE und beleuchten sehr viele Aspekte, die damit zusammenhängen. Erstellt wurde es in der Schweiz, wo sie ja mit dem Thema schon etwas weiter sind als wir hier in Deutschland; vgl. die Schweizer Volksabstimmung zum BGE vor zwei Jahren, in der sich 23 Prozent der Menschen dafür ausgesprochen haben – seitdem ist das Thema umso mehr auf dem Tisch. In Deutschland befürworten Umfragen zufolge zwischen 60 und 75 Prozent der Menschen das BGE. Das will doch etwas heißen!?


Sehr berührend und traurig finde ich die Geschichte von Paula Kunz ab S. 64. Sie zeigt eindrücklich die Unbarmherzigkeit des aktuellen Systems / der Erwerbsarbeits- und Leistungsnorm und die anscheinend große Lieblosigkeit der Menschen untereinander und gegen sich selbst. Eine "Aufgabe" der BGE-Diskussion (und der Armutsdiskussion und der "Flüchtlingskrise" und der Klimaproblematik, ...) scheint mir zu sein, diese Abgründe aufzudecken – und vielleicht zu einer Heilung beizutragen? Wir wollen doch alle einfach Mensch sein und möglichst frei und glücklich leben!?

"Warum ich das sogenannt 'normale' Leben nicht 'auf die Reihe kriegte', ist auch heute noch nicht eindeutig analysiert. Meine Lebenserfahrung und der Austausch mit anderen Menschen lehrten mich, dass das Leben eines Menschen nie gänzlich verstanden werden kann. Deshalb ist das bedingungslose Grundeinkommen so wichtig. Wir BürgerInnen sind einander keine Rechenschaft schuldig. Jeder Mensch macht von sich aus immer das Beste, was er vermag."

"Ich habe in den letzten Tagen etwas Wesentliches neu erkannt: Ich kann die Bedingungslosigkeit nur dann für mich wünschen, wenn ich nach dem Motto lebe: Ich bin genau richtig, so wie ich bin. Und die anderen sind es auch."

Montag, 26. Februar 2018

Bedingungsloses Grundeinkommen 2




Ich möchte neben den Gedanken und Links aus dem Post vom 2. Februar noch sehr den obigen Bericht von Ralph Boes aus Berlin ans Herz legen. Seine Erzählung ist ein großartiges, klares, leidenschaftliches Plädoyer für Menschenwürde, Freiheit, Selbstbestimmung – und das BGE. Es anzuhören, darüber nach- und mitzudenken, sind zwei ausgezeichnet „investierte“ Stunden, wie ich finde.

Ralph Boes spricht über diese Dinge anhand der Hartz-IV-Problematik und der Unrechtmäßigkeit der sog. Eingliederungsvereinbarung, die Hartz-IV-Empfänger (tatsächlich „Kunden“ genannt, obwohl „Sklaven“ ehrlicher wäre) unterschreiben müssen – bzw. die sie eben auch, dank Ralph Boes‘ Vorarbeit, korrigieren und individuell ändern können, damit sie rechtskonform(er) ist. Diese „Vereinbarung“ („Verordnung“ trifft es wohl eher) muss man unterschreiben, um Hartz-IV-Leistungen in Anspruch nehmen zu können. Ich habe dank des Videos viel gelernt über dieses Instrument, seine Sanktionen und darüber, wie erpresserisch und kontrollierend es ist. Es ist eine gewisse soziale Existenzsicherung, das ist gut, aber sie ist an Bedingungen geknüpft, die beschämend sind, vor allem für eine Ära, in der Maschinen und Computer mehr und mehr Arbeit übernehmen, die Regale in den Läden mit Waren überquillen und Arbeit von Menschenhand und Menschenkopf (!) immer überflüssiger oder unabhängiger von der Geldlogik wird. Außerdem ist bezahlte Arbeit für alle (
Vollbeschäftigung) fast immer nur eine Illusion gewesen. Wir spielen hier also seit Jahrzehnten „Reise nach Jerusalem“ mit Arbeits- bzw. Einkommensplätzen – leider oder zum Glück fehlen dabei Millionen Stühle!
Menschen also dafür zu verurteilen, dass sie arbeitslos sind – das ist zynisch und kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles. Vielmehr, es ist ein Denkfehler, eine Gegebenheit, für die es neue Lösungen und Experimentierfreude braucht: Warum geben wir uns nicht gegenseitig ein Grundeinkommen? Und arbeiten weniger, verteilen so die Arbeit auf mehr Schultern und geben uns die Chance, mehr Zeit zu haben und verschiedenste Dinge zu tun, bezahlt wie unbezahlt, und manche gar ganz zu lassen? Das Thema Hartz IV offenbart außerdem eine (noch) verbreitete Verlogenheit bzw. zumindest eine Ignoranz, die mich traurig und wütend macht. Leider scheinen sich die meisten Menschen, mich selbst bisher eingeschlossen, kaum mit diesem Problem zu befassen, weil es so unbequem und „uncool“ ist – man ist froh, wenn es einen selbst nicht betrifft und schiebt es ansonsten gern von sich weg. Aber was ist das für eine blamable Haltung?

Artikel 1, Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, 1949:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.


Artikel 1, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Vereinte Nationen, 1948:
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Wollen wir das wirklich drangeben? Oder es lieber in neuem Maße leben?

Samstag, 24. Februar 2018

Über den Müßiggang

Auf zwei Lesebücher möchte ich gern hinweisen. Für den müßig-tätigen Geist, für Interessierte an der Kunst der Langeweile, der Lebenskunst, wenn man so will. Zum Nachdenken und Vergnügen. Die Bücher versammeln ernste und heitere Betrachtungen aus den letzten Jahrhunderten zum Thema Faulheit, diesem Schreckgespenst der arbeits- und beschäftigungswütigen Welt. Viele der Texte erscheinen heute aktueller denn je! Ich finde ja, es stünde uns gut an, all dem Eifer und der Emsigkeit eine großzügige Prise Nichtstun hinzuzugeben. Vielleicht würde der Kuchen dadurch schmack- und nahrhafter?

Weitere Gedanken zum Thema, auch im Zusammenhang mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen, sowie die Buchempfehlungen folgen bei Klick auf Weiterlesen.

Freitag, 2. Februar 2018

Paradigmenwechsel?

"Free Lunch Society" ist der erste Kinofilm zum Bedingungslosen Grundeinkommen und  seit gestern in 100 deutschen Kinos zu sehen. Sehenswert, spannend, inspirierend und sehr erfreulich, wie ich finde.

Ein Beitrag aus dem BR-Fernsehen gibt Einblicke in die Doku und lässt den Regisseur zu Wort kommen. 

“Essen ohne Arbeit sowas gibt es nicht. Noch nicht. Denn führende Köpfe in Wirtschaft und Politik sind sich einig: das bedingungslose Grundeinkommen wird kommen. Dokumentarfilmer Christian Tod hat eine Weltreise gemacht, um die vielfältigen Positionen zum bedingungslosen Grundeinkommen einzufangen."
 



Visionär, innovativ – und utopisch? Oder ist die Zeit langsam reif für die Idee? Nicht nur aus menschlicher, sozialer und kultureller, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht? So, wie sich die meisten Menschen vor 100 oder 200 Jahren nicht vorstellen konnten, dass unsere heutige Welt voll mit Autos, Zügen, Flugzeugen, Smartphones und 37 Joghurtsorten ist, dass es so etwas wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Krankenversicherung und Urlaub gibt oder dass sich Frauen selbstverständlich auch jenseits von Heim und Herd bewegen und homosexuelle Menschen Familien gründen so wird man sich vielleicht in 10 Jahren darüber wundern, dass sich die Menschen heute trotz oder wegen all des sogenannten Fortschritts in einem Hamsterrad aus Arbeit, Konsum und Bürokratie abgestrampelt haben, weil der einst gepriesene Kapitalismus aus dem Ruder gelaufen ist. Man sprach zwar vom aufgeklärten, mündigen "Bürger", das selbstständige, kritische Denken, das Innehalten und das Fühlen des Menschen (!) waren in all der Hektik aber irgendwann vergessen worden. Vielleicht beim morgendlichen Sprint zur U-Bahn, weggeworfen zusammen mit dem Coffee-to-go-Becher, im Warenkorb von Amazon oder auf der Facebook-Timeline liegengelassen. Oder es wurde in aller Heimlichkeit praktiziert, als wäre es etwas Unanständiges oder peinlich Naives. Eigentlich war es im Hamsterrad ganz bequem, aber nach einer Weile fing meistens doch irgendetwas an zu nagen in Hamsters (äh, Menschens) Kopf ...

Samstag, 27. Januar 2018

No more, no less


The opulent sky
clouds passing by
nothing else.

Samstag, 6. Januar 2018

Kleine Perlen

Lieblingsdinge zum neuen Jahr, sehr zum Träumen, Schmunzeln, Freuen: ein Kalender mit den wunderschönen, wundersamen Bildern von Quint Buchholz. Und eine Kalimba, gebaut von Amélie aus dem Atelier Méli-Mélo in Hamburg. Ganz einfach lassen sich diesem kleinen Instrument die schönsten Klänge und Vibrationen entlocken.

Freitag, 29. Dezember 2017

The Feast of Love

The song of life is playing all the time
everything is the message
a feast of love
of dullness
and pain. 

The brightest white
the darkest black
and every single
shade of grey. 

(That's
what makes it
so colourful.)

A celebration
of freedom
appearing
as
e
v
e
r
y
t
h
i
n
g

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Geschäft zum Weihnachtsfest

Was soll das heißen, die Wörter sind aus?
– Dass es keine mehr gibt. Sie sind alle weg.
Wie, alle? Wollen Sie damit sagen, dass …
– Genau das. Keins mehr da. Wobei, ein paar Restexemplare hätte ich noch, die haben aber Mängel. Sie würden vielleicht noch ein Gedicht ergeben, ein dadaistisches oder so.
Ein Gedicht aus Mangelware, so ein Unsinn! Ich hätte ganze Balladen, Debatten und Monologe gebraucht, pralle, süße Worte, etwas richtig Triefendes, verstehen Sie? Und auch reichlich Geschwätz und Phrasen, zur Untermalung, als Pausenfüller und so.

– Tja, da kann man nichts machen, die sind alle längst verkauft.
Das glaube ich einfach nicht! Um diese Zeit schon?? Dabei habe ich mich extra früh aufgemacht … Hätten Sie nicht wenigstens noch ein bisschen B-Ware da? Lästerei, Heuchelei, Lügen oder so etwas in der Art?
– B-Ware!? Also, ich weiß ja nicht. Die waren jedenfalls mit als Erste weg, zusammen mit dem Gezeter und Gebrüll, eigentlich noch vor dem Süßholz, wenn ich mich recht entsinne. Sogar die tiefgehenden und einfühlsamen Gespräche sind alle weg. Ich kann es selbst kaum glauben.
Machen Sie Witze? Und nun!? Soll ich etwa zum Fest ohne all das auskommen? Was bliebe denn dann noch? Können Sie mir nicht etwas aus Ihrem Privatkontingent verkaufen? Sie haben doch bestimmt was für sich selbst zurückbehalten? Ich zahle Ihnen auch den doppelten Preis!
– Tut mir leid, da ist nichts zu machen. Ich gebe zu, ich hatte etwas für mich abgeknapst, aber gestern kam ein Herr, der mir diesen Vorrat quasi unter der Ladentheke hervorgezerrt hat. Gierig hat er sich darüber hergemacht, hat sich die Wörter wie ein Verhungernder in Mund und Taschen gestopft, bis zum letzten Buchstabenkrümel.
Soll das heißen, Sie werden selbst auch nichts haben, bis zum Jahresende?

– So ist es. Neue Ware kommt erst im neuen Jahr und auch nur, wenn kein Schnee den Transport verhindert. Ich werde mich wohl an die Mängelexemplare und den Ladenhüter halten müssen.
Welcher Ladenhüter? Heißt das, es gibt doch noch etwas?
– Naja, Ladenhüter ist vielleicht nicht ganz richtig ausgedrückt. Kleine Mengen davon werden immer mal nachgefragt, manchmal auch größere, das kommt auf die Kundschaft an. Alles in allem ist es aber eher ein Nischenprodukt. Und auch nicht wirklich greifbar, müssen Sie wissen.
Nicht greifbar, wie meinen Sie denn das? Ist es eine Online-Version oder wie?
– Bewahre, nein, dann wäre sie ja längst ausverkauft. Es ist etwas anderes. Eigentlich ist es nichts.
Nichts?
– Naja, zumindest ist es nicht sehr auffällig und auch nicht redselig. Hier, schauen Sie, in dieser kleinen Box bewahre ich es auf. Es füllt sich immer von selbst auf, wenn ich mal etwas davon verkauft habe. Es ist unerschöpflich und sehr unverbraucht.
Darf ich mal sehen?
– Ja, schauen Sie nur. Es gibt aber nichts zu sehen.
Was steht denn auf dem Schild da? Lassen Sie mal sehen … Stille.
– Genau, so heißt es – Stille. Etwas anwenderorientierter könnte man auch sagen „Schweigen“ oder „Nicht sprechen“. Wirklich ein kleines Juwel, wenn ich’s mir recht bedenke. Eigentlich sollte ich dem aufgebrachten Herrn von gestern fast dankbar sein, dass er mir meinen Wörterrest entrissen hat. Es gibt ja noch die Stille, ich hatte sie selbst fast vergessen. Wie gut, dass Sie gekommen sind.
Na, was daran gut sein soll, dass uns nur noch das bleibt …
– Versuchen Sie es mal, es ist wirklich köstlich. Ich erinnere mich jetzt wieder … Und ganz hervorragend geeignet für die unterschiedlichsten Gelegenheiten. Zum großen Fest und zum Jahresende ist es vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Oder ganz besonders passend, kommt darauf an, wie man es sieht.
Meinen Sie wirklich?
– Ja, ich meine es völlig ernst. Nehmen Sie vielleicht erstmal ein bisschen mit, zum Probieren. Es ist auch sehr günstig, schauen Sie: Es kostet nichts, ist aber sehr wertvoll.
Na, wenn das so ist. Völlig gratis, sagen Sie? Gut, ich nehme es, aber wirklich nur eine kleine Portion. Nachschub kann ich mir ja immer noch holen. Haben Sie auch an den Feiertagen geöffnet?
– Ich bitte Sie. Aber ich sagte ja, es erneuert sich gewissermaßen von selbst. Und da Sie sowieso keine Wörter im Haus haben werden, wird es sich auch langsamer verbrauchen. Ich packe es Ihnen in diese kleine Schachtel hier, und Sie werden sehen, sobald Sie etwas entnehmen, ist die Menge nach kurzer Zeit wieder aufgefüllt.
Das klingt ja sehr geheimnisvoll, fast wie Zauberei.
– Ja, ein wenig scheint es so zu sein. Hier haben Sie es, sogar mit Schleife. Eine besondere Stimmung und ein vorzügliches Geschenk. Viel Freude damit.
– Na, dann, ich bin gespannt. Frohe Weihnachten!

Montag, 4. Dezember 2017

The Snowman by Raymond Briggs

Yesterday's snow is gone again,
but The Snowman is still there (well, is he?).
Enjoy ...